Wahlalternative Arbeit & soziale Gerechtigkeit
Eine andere Politik ist möglich!

Die Nachricht.

04.11.2005 | 15:07 | Alter: 2 Jahre | Kategorie: Politik, Positionen

 

PISA-frustrierende Ergebnisse für die Kinder und kein Lernerfolg bei den Politikern!

Was ist Pisa?

PISA (Programme for International Student Assessment) ist eine Studie im Auftrag der OECD, die im Abstand von je drei Jahren die Leistungen 15-jähriger Schülerinnen und Schüler misst. Für Deutschland wird darüber hinaus mit PISA-E ein Vergleich zwischen den Bundesländern gezogen. In der ersten Studie wurde insbesondere die Lesekompetenz untersucht, jetzt ging es im Schwerpunkt um die mathematischen Fähigkeiten. Die Ergebnisse dieser Studie, die sich auf das Jahr 2003 beziehen, wurden soeben der Öffentlichkeit vorgestellt. Unter den vier Oberthemen „Bevölkerung und Erwerbstätigkeit“, „Wirtschaft und Finanzen“, „Bildungseinrichtungen“ und „Familialer Hintergrund 10 bis 15-jähriger“ werden Zusammenhänge zwischen Leistungsständen der Jugendlichen und deren Abhängigkeit von sozialer bzw. ethnischer Herkunft sowie der besuchten Schulformen untersucht. Hauptergebnis: Wer aus sozial benachteiligten Familien stammt, hat in Deutschland auch weiterhin keine Aussicht auf Chancengleichheit. Besonders benachteiligt sind Kinder mit sogenanntem Migrationshintergrund. Und: Im Vergleich zu der Studie aus dem Jahr 2000 ist der Vorsprung der Kinder aus der Oberschicht sogar noch deutlich gewachsen.


Reaktionen der Politiker:

Im bundesrepublikanischen Vergleich wird ein Ranking zwischen den Bundesländern vorgenommen. Dieses ist der Auspunktpunkt für einen politischen Schlagaustausch und wird von Politikerinnen und Politikern für die Darstellung ihrer angeblichen Erfolge in der Bildungspolitik missbraucht. Ohne die Basis der Daten genauer zu hinterfragen werden Aussagen der Studie nach politischem Kalkül zu eigenen Gunsten ausgelegt. Beispiel: Katharina Reiche (CDU/CSU) glaubt aufgrund der Ergebnisse zu erkennen, dass benachteiligte Kinder in Bayern, Sachsen und Thüringen ein leistungsorientiertes Schulsystem vorfänden und daher mehr Bildungschancen hätten. Daneben werden selbst kleinste positive Ausschläge, die übrigens schlichte statistische Zufälligkeiten sein können, als Trendwende gedeutet. So die Kultusministerkonferenz, die klar einen Aufwärtstrend festzustellen glaubt. Die vorgelegten Ergebnisse werden je nach bildungspolitischem Credo interpretiert, insbesondere das traditionelle dreigliedrige Schulsystem wird unbeirrt weiterhin von der CDU/CSU favourisiert. Entgegen der Erkenntnis, dass zu wenig Kinder aus benachteiligen Familien das Abitur machen, dass sogar insgesamt zu wenige Akademiker ausgebildet werden, werden diejenigen, die es bis zum Studium geschafft haben, zukünftig mit Studiengebühren abgeschreckt.


Unsere Bewertung:

Die Ergebnisse der Studie sind sachlich auszuwerten und darüber hinaus sind Anforderungen an weitergehende Untersuchungen zu stellen. So ist z.b. fraglich, ob Pisa vergleichbare Daten für die verschiedenen Länder vorlegt, ob nicht vielmehr Besonderheiten in den Regionen und Schulbedingungen ausgeblendet bleiben und so „Äpfel mit Birnen“ verglichen werden. Der Zusammenhang zwischen der sozialen und ökonomischen Situation des Elternhauses und den Bildungschancen sollte u.E. breiter und tiefer analysiert werden.

PISA macht aber auch schon jetzt wieder deutlich: Eine andere Bildungspolitik ist nötig. Das deutsche Schulsystem wirkt den unterschiedlichen Startvoraussetzungen der Kinder nicht entgegen, sondern diskriminiert und verstärkt soziale Unterschiede sogar. Eliteförderung ist ein Weg in die Sackgasse und abzulehnen. Das gegliederte Schulsystem löst den Anspruch auf umfassende Förderung aller Kinder nicht ein, daher sind integrative Modelle und Förderung schon in der Vorschulzeit zu fördern.

Wir halten es für scheinheilig, wenn unter dem Vorwand der Zukunftssicherung der jungen Menschen radikale Haushaltseinsparungen und der Abbau sozialer Leistungen propagiert werden. Ein Bildungssystem, das allen Kindern, unabhängig ihrer sozialen Herkunft eine gute Ausbildung ermöglicht, erfordert deutlich mehr Geld als bisher bereit gestellt wird. Eine andere Politik ist daher nötig.

 

Ulrike Zerhau
(Mitglied im Bundesvorstand)

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